Und plötzlich Herausgeber

Wie aus einer Idee im Dezember 2024 die Biografie „Monika Keller – Tanzen ist mein Leben“ wurde.
von Thomas Köppe · Oktober 2026
Wenn mir im Dezember 2024 jemand gesagt hätte, dass ich knapp zwei Jahre später ein Buch herausgeben würde, hätte ich vermutlich ziemlich ungläubig geschaut.
Ein Buch? Ich?
Die Geschichte begann ohnehin ganz anders.
Eine Autofahrt im Dezember 2024
Im Dezember 2024 erlebten meine Frau Elke und ich Monika nach ihrem Freitagstanzkreis in einer betrübten Stimmung. Das beschäftigte uns. Auf dem Weg von der Tanzschule nach Hause sprachen wir darüber. Dabei stellten wir überrascht fest: Wir hatten wieder mal unabhängig voneinander praktisch dieselbe Idee.
Wir wollten Monika vorschlagen, ihr Leben aufzuschreiben.
Zunächst ging es uns vor allem darum, Monika eine Aufgabe zu geben, die sie ablenkt und beschäftigt. Zugleich wollten wir gemeinsam mit ihr bewahren, was uns schon lange beeindruckte: ihr Lebenswerk, ihre Erinnerungen und ihr enormes Archiv. Fotos, Dokumente, Zeitungsausschnitte, Programme und viele andere Erinnerungsstücke – Zeugnisse aus Jahrzehnten ihres Lebens und zugleich ein Stück Berliner Tanzgeschichte.
Es gab allerdings eine Herausforderung:
Wir hatten alle keine Ahnung, wie man ein Leben aufschreibt.
Monika war skeptisch
Als wir Monika eine Woche später von unserer Idee erzählten, war ihre Begeisterung zunächst überschaubar. Einfach Nein sagen gehört allerdings nicht zu Monikas Stärken. So verstanden wir ihre Reaktion als ein stilles „Ja“.
Elke und ich begannen zu überlegen: Wie könnte man ihr den Einstieg erleichtern? Vor einem leeren Blatt zu sitzen und plötzlich das eigene Leben aufschreiben zu sollen, erschien uns jedenfalls als ziemlich große Hürde.
Zwischen Weihnachten und Neujahr 2024/2025 setzten wir uns deshalb hin und erstellten eine Liste mit Themen. Kindheit. Familie. Schule. Tanzen. Menschen, die eine Rolle gespielt hatten. Besondere Erlebnisse. Die Tanzschulen. Reisen. Erfolge. Rückschläge. Erinnerungen, die geblieben waren.
Aus unserer Themenliste wurden bald augenzwinkernd Monikas „Hausaufgaben“.
Sie sollte keinen perfekten Text schreiben und sich auch keine Gedanken darüber machen, wie daraus irgendwann eine zusammenhängende Geschichte werden könnte. Die einzelnen Themen sollten ihr lediglich eine Leitlinie geben.
Erinnern. Aufschreiben. Weiter zum nächsten Thema.
So einfach war zumindest unser Plan.
Wo fängt man bei einem ganzen Leben an?
Rückblickend waren diese Hausaufgaben vermutlich eine unserer wichtigsten Entscheidungen. Denn plötzlich stand Monika nicht mehr vor der riesigen Aufgabe, „ihr Leben aufzuschreiben“. Vor ihr lag immer nur ein einzelnes Thema. Und mit jedem Thema kamen Erinnerungen zurück.
Manche hielt sie ausführlich fest, andere zunächst nur in wenigen Sätzen. Manchmal führte eine Erinnerung zur nächsten. Namen tauchten auf, Ereignisse mussten zeitlich eingeordnet werden und zu manchen Geschichten fanden sich Fotos oder Dokumente in Monikas Archiv.
Damit begann etwas, dessen Dimension wir damals noch nicht erahnten.
Wir lasen, was Monika geschrieben hatte. Wir stellten Fragen. Wir wollten mehr wissen. Wir suchten nach Zusammenhängen. Und natürlich entstanden daraus neue Hausaufgaben.
So entwickelte sich nach und nach unsere ganz eigene Methode, ein Leben aufzuschreiben.
Plötzlich lagen Jahrzehnte vor uns
Je mehr Monika schrieb und erzählte, desto deutlicher wurde, wie viel es zu entdecken gab. Acht Jahrzehnte Leben, eng verbunden mit dem Tanzen: die ersten Schritte an der Ballettstange, Tanzturniere, die Berliner Tanzschulen, besondere Begegnungen – aber ebenso persönliche Schicksalsschläge, Abschiede und immer wieder Neuanfänge.
Und da war Monikas Archiv.

Was anfangs wie eine große Sammlung aus Fotos, Dokumenten und Erinnerungsstücken erschien, bekam zunehmend eine Struktur. Bilder ließen sich Geschichten zuordnen. Dokumente halfen, Erinnerungen zeitlich einzuordnen. Zeitungsausschnitte lieferten Details, an die sich Jahrzehnte später niemand mehr genau erinnern konnte.
Von Anfang an hatten Elke und ich ein Ziel: Aus all dem sollte ein Buch entstehen.
Und weil ich meistens eher groß als klein denke, schwirrten mir ziemlich schnell weitere Ideen durch den Kopf. Eine eigene Website. Videos. Möglichkeiten, Monikas Geschichte über das Buch hinaus zu erzählen. Nur an einen Podcast dachten wir damals tatsächlich noch nicht.
Und wir hatten ein Datum: den 3. Oktober 2026 – Monikas 80. Geburtstag.
Bis dahin waren es noch fast zwei Jahre. Das klang nach viel Zeit.
Handschrift für Handschrift
Monika schrieb zu den einzelnen Themen auf, was ihr einfiel – immer mit der Hand. Diese Seiten waren unser Rohmaterial. Elke diktierte Monikas handgeschriebene Texte in den Computer und nahm erste Korrekturen vor. Gemeinsam begannen wir, daraus lesbare, zusammenhängende Texte zu entwickeln. Dabei nutzten wir auch KI, um Formulierungen zu optimieren und Texte zu strukturieren. Doch anschließend gab es eine Instanz, an der kein Weg vorbeiführte: Monika.
Sie bekam die Texte wieder zum Lesen. Denn bei aller Überarbeitung sollte es ihre Geschichte bleiben – und vor allem auch nach ihr klingen.

Gerade am Anfang führte das zwischen Elke und mir durchaus zu heißen Diskussionen. Wenn Elke den Eindruck hatte, dass sie Monika in einem Text nicht mehr wiedererkannte, war das für sie ein klares Stoppsignal. Und sie hatte recht.
Wir wollten eine Biografie schreiben, in der Monika sich wiedererkannte. Das wurde zu einer wichtigen Leitlinie für die weitere Arbeit.
Schreiben allein reichte längst nicht mehr

Parallel zu den Texten begann Elke, sich durch Monikas umfangreiches Archiv zu arbeiten. Sie scannte unzählige Fotos und Dokumente ein und half dabei, sie zeitlich einzuordnen. Wann könnte das gewesen sein? Wo entstand dieses Bild? Wer ist darauf zu sehen? Zu welcher Geschichte gehört es?
So wuchsen Text und Archiv langsam zusammen. Und manches Foto löste wiederum neue Erinnerungen und Fragen aus – und damit natürlich auch neue Hausaufgaben. Aus der ursprünglich recht einfachen Vorstellung, ein Leben aufzuschreiben, entwickelte sich ein immer umfangreicheres Projekt.
Je weiter wir kamen, desto deutlicher wurde mir, wie viele unterschiedliche Aufgaben zur Entstehung eines Buches gehören.
Die Sache mit den Bildrechten
Einige der größten Herausforderungen lagen schließlich ausgerechnet bei Bildern, die längst existierten. Bei vielen privaten Aufnahmen war die Situation unkompliziert. Bei anderen begann eine Recherche, mit der ich in meinem ursprünglichen Zeitplan überhaupt nicht gerechnet hatte.
Wer hatte dieses Foto vor 30 oder 40 Jahren aufgenommen? Lebte der Fotograf noch? Für wen hatte er damals gearbeitet? Wer besaß heute die Rechte?
Und vor allem: Wie findet man nach Jahrzehnten überhaupt den richtigen Ansprechpartner? Bei einigen Bildern wurde die Suche nach Fotografen und Rechteinhabern zu einer echten Detektivarbeit.
Ich hatte von Anfang an einen ziemlich klaren Zeitplan für unser Projekt im Kopf. Mir war bewusst, wann Texte fertig sein mussten, wann Gestaltung und Korrekturen anstanden und wann wir in Richtung Produktion gehen mussten.
Die Bildrechte standen in diesem Zeitplan nicht.
Heute würde ich das anders planen. Damals hieß es: recherchieren, schreiben, nachfragen – und manchmal einfach hartnäckig bleiben.
Aus dem Buch wurde mehr
Während das Manuskript wuchs, entstanden nach und nach auch die Dinge, die mir schon zu Beginn durch den Kopf gegangen waren.
Eine Website sollte Monikas Geschichte über das Buch hinaus erzählen. Videos sollten sie selbst zu Wort kommen lassen.
Und dann kam eine Idee hinzu, die am Anfang überhaupt nicht vorgesehen war: ein Podcast.
Inspiriert durch den Jubiläums-Podcast „70 Jahre Landestanzsportverband (LTV)“ von Dirk Ullmann entstand „Hinter den Kulissen“. Er gab uns die Möglichkeit, noch einmal anders über Monikas Leben und über die Menschen und Geschichten rund um das Buch zu erzählen.
Damit war längst mehr entstanden als nur ein Manuskript. Texte, Fotos, Dokumente, Website, Videos und Podcast – alles gehörte plötzlich zu einem gemeinsamen Projekt.
Trotzdem hatte ich mich selbst zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich als Herausgeber gesehen.
Herausgeber? Ich?
Das änderte sich erstaunlich spät. Als wir das Buch schließlich bei epubli anlegten, mussten die Dinge plötzlich offizielle Namen bekommen.
Titel. Beschreibung. Ausstattung. Preis. ISBN. Autorin.
Und: Herausgeber.
Da stand diese Bezeichnung plötzlich vor mir.
Herausgeber: Thomas Köppe.
Natürlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt längst viele der Aufgaben übernommen, die zu dieser Rolle gehören. Aber ich hatte das Projekt nie mit dem Gedanken begonnen: Ich möchte ein Buch herausgeben.
Es ging immer um Monika und ihre Geschichte.
Vielleicht brauchte es deshalb erst dieses kleine Feld bei epubli, damit mir bewusst wurde, welche Rolle ich in den zurückliegenden Monaten eigentlich übernommen hatte.
Und plötzlich war ich Herausgeber.
Der 3. Oktober rückte näher
Doch inzwischen waren aus den fast zwei Jahren Monate geworden und aus Monaten Wochen.
Texte wurden korrigiert. Seiten gestaltet. Bilder ausgewählt und aufbereitet. Die beiden Buchausgaben nahmen Gestalt an.
Dann kam der Testdruck. Zum ersten Mal konnten wir das, woran wir so lange am Bildschirm gearbeitet hatten, tatsächlich in die Hand nehmen. Seiten umblättern. Fotos auf Papier sehen. Prüfen, ob das, was digital richtig aussah, auch gedruckt funktionierte.
Natürlich fanden wir noch Dinge, die geändert werden mussten. Also wieder korrigieren. Wieder prüfen. Wieder entscheiden.
Aber der Termin stand seit Beginn unseres Projekts fest: 3. Oktober 2026.
Dann lag es vor uns
Am 3. Oktober 2026 konnten wir Monika zu ihrem 80. Geburtstag ihr Buch überreichen: „Monika Keller – Tanzen ist mein Leben“.
Diesen Moment werde ich nicht vergessen. Denn plötzlich lag vor uns, worüber Elke und ich auf dieser Autofahrt im Dezember 2024 zum ersten Mal gesprochen hatten. Keine Idee mehr. Kein Manuskript auf dem Computer. Sondern ein Buch.

Und plötzlich Herausgeber
Heute steht auf diesem Buch: Herausgegeben von Thomas Köppe.
Darauf bin ich stolz.
Wenn ich heute auf die vergangenen knapp zwei Jahre zurückblicke, erfüllt mich neben dem fertigen Buch vor allem eines mit Stolz: Wir sind gemeinsam an dieser Aufgabe gewachsen. Schritt für Schritt haben wir gelernt, wie aus Erinnerungen eine Biografie entsteht. Monika hat uns ihre Erinnerungen anvertraut und immer weiter geschrieben.
Elke hat mit enormer Geduld Texte, Bilder und Dokumente bearbeitet und dabei immer wieder darauf geachtet, dass in all unseren Formulierungen ein Mensch erkennbar blieb: Monika.
Und ich habe versucht, aus all diesen Teilen am Ende das große Ganze entstehen zu lassen. Dieses Projekt hatte für uns alle eine Dimension angenommen, die keiner von uns zuvor erlebt hatte.
Und vielleicht ist das meine wichtigste Erkenntnis daraus:
Man muss am Anfang nicht wissen, wie alles geht. Man muss eine Idee haben, an sie glauben – und irgendwann einfach anfangen.
Aus unserer Idee wurde ein Buch
„Monika Keller – Tanzen ist mein Leben“ ist als Premium- und Standardausgabe erhältlich.